Mitteilungen, Dezember 2000

Dreisprachige Wander- und Wechselausstellung Französische Donjons

Gesellschaft für Internationale Burgenkunde (GIB)


von Hans Altmann

In den Mitteilungen Nr. 66 berichtete Dr. Busso von der Dollen über die mit der DBV kooperierende Gesellschaft für Internationale Burgenkunde Aachen e. V. (GIB) und unser derzeitiger l. Vorsitzender Architekt Dipl.-Ing. Bernhard Siepen, DBV-Mitglied und Gründer der GIB, von der Wander- und Wechselausstellung Französische Donjons und dem Modell des Donjon von Coucy. Bereichert durch das Modell eines französischen Ritterturniers in Wappenfarben des führenden französischen Adels hat sie mittlerweile in elf Ausstellungen in Deutschland und Frankreich mehr als 250.000 Besucher und über 1.000 Schulklassen erreicht. Fernseh- und Zeitungspresse priesen immer wieder den besonderen schulpädagogischen Wert dieser einzigartigen Burgenausstellung mit ihren beiden von über 3.000 handbemalten Elastolin-Preiser-Figuren lebendig in Szene gesetzten Modellen und den insgesamt 52 Schautafeln mit sowohl wissenschaftlichem Anspruch als auch touristischer Wirksamkeit.
Zurückliegende Ausstellungen im Hotel du Departement von Strassbourg und der Kundenhalle der Sparkasse Aachen haben gezeigt, dass der Donjon als Kontrast in modern gestalteten Räumen die Besucher sehr gut anspricht. Wie angegossen, einige Ausstellungsorganisatoren hätten sie am liebsten ganz behalten; wirkt sie jedoch in historischen Gebäuden, wie z. B. der romanischen Burg der Tourainer Königsstadt Loches, in der frühgotischen Abteikirche St. Leger von Soissons (Gotik in der Gotik), unter dem 12 m hohen, original erhaltenen Satteldach des Kornspeichers der Burg Mildenstein in Sachsen, in den Renaissanceräumen der Albrechtsburg neben dem Meißner Dom, im Rittersaal der Veste Coburg in Bayern und im Wohnturm der Burg Kriebstein, der größten und schönsten sächsischen Ritterburg. Möglicherweise wechselt die Ausstellung in das klassizistische Gebäude des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr der Stadt Dresden, worum sich z. Zt. noch der Dresdner Stadtkonservator bemüht. Die Runneburg in Thüringen bewirbt sich für eine Frühjahrsausstellung.
Herrn Siepens Ansprache bei der Eröffnungsfeier fand großen Beifall. Er betonte, dass die GIB mit dem finanziellen Aufwand und dem geistigen wie handwerklichen Einsatz für die Erstellung des Modells der Völkerverständigung

 habe dienen wollen; er rechnete damit, dass die Ausstellung wegen der Nähe des Ortes Coucy in .Soissons großen Erfolg haben werde; der wiederum könne dazu beitragen, dass mit staatlichen Geldmitteln die von einem 10 m hohen Schuttkegel bedeckten Fundamente und Grundmauern freigelegt und zur Besichtigung hergerichtet werden könntenIn Verbindung mit dieser Ausstellung fand am 25. und 26. September 1999 ein historisches Stadtfest und Journee de la Federation des Societe Francaise d'Archeologie de 1'Aisne unter Leitung von Jean Mesqui, dem Präsidenten der Societe Francaise d'Archeologie, statt. Schon 1997 hatte Herr Siepen während des Modellbaus des Donjons von Coucy Monsieur Mesqui in Paris aufgesucht und wichtige Details mit ihm durchgesprochen.
Die am 2. Dezember 1999 im Aachener Verwaltungsgebäude Katschhof stattgefundene internationale Pressekonferenz nutzte Aachens Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden dazu, um der GIB seine Anerkennung auszusprechen. Anlass war die Vorstellung der fruchtbaren Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Gesellschaften. Herr Siepen hob die Verbundenheit mit der Deutschen Burgenvereinigung (DBV) und dem Europäischen Burgeninstitut (EBI) hervor. Der Geschäftsführer der DBV Dr.-Ing. Klaus Tragbar hob die bestehende Zusammenarbeit zwischen diesen Institutionen hervor.
Bis Anfang nächsten Jahres wird ein 180-seitiger, viersprachiger Katalog herausgegeben. Die kostenlose Übersetzung in die vierte Sprache, das Niederländische, zeigt das gute Verhältnis zwischen der GIB und der Stichting Limburgse Kastelen mit Sitz in Roermond, die ungefähr 300 Denkmäler betreut, die sich für eine künftige Studienfahrt der DBV-Landesgruppen empfehlen.
Am 12. Dezember 1999 wurde dem französischen Ancien Ministre Andre Bord für seine internationalen Verdienste um die Wanderausstellung die Ehrenmitgliedschaft der GIB verliehen. Monsieur Bord war ein langjähriger politischer Freund des am 26. Juni 1999 verstorbenen ehemaligen l. Vorsitzenden Dr. Hans Stercken, bekannt als langjähriges Mitglied des Deutschen Bundestages und jeder Zeit aktiver Sprecher für die Belange der Stadt Aachen.
Inzwischen wählte die GIB ein neues, sehr anspruchsvolles Ausstellungsthema: Burgen aus der Zeit der Kreuzzüge. Über ein Ziel war man sich von vorne herein einig. Die Ausgewogenheit in der Auswahl

 und in der Berichterstattung über christliche und moslemische Burgen. Der GIB-Vorstand konnte bereits Kenner der Burgen-, Architektur- und Geschichtsmaterie für einen Wissenschaftlichen Beirat auch aus den Reihen der DB V gewinnen: Prof. Dr.-Ing. Michael Jansen und Prof. Dr. Dietrich Lohrmann (beide RWTH Aachen), Prof. Dr. Karl Borchardt und Prof. Dr. Peter Herde (beide Univ. Würzburg), Prof. Dr. Rudolf Hiestand (Univ. Düsseldorf), Prof. Dr.-Ing. Hartmut Hofrichter (Univ. Kaiserslautern), Prof. Dr.-Ing. Cord Meckseper (Univ. Hannover). Zuerst gilt es, das nötige Geld zusammenzutragen, hoffentlich auch EU-Mittel, zu recherchieren und dann mit der Produktion der Schautafeln und eines neuen Modells, möglicherweise der Burg Marqab (Syrien) des Johanniterordens im Belagerungszustand, zu beginnen. Die Zusammenarbeit mit Lehrern und die Einbindung der Jugend in Klassen, Arbeitsgemeinschaften und Projektwochen soll in bewährter Weise fortgesetzt werden. Wer in der DBV Interesse an der Ausstellungsvorbereitung hat, sollte dies der GIB-Geschäftsführung mitteilen.
Die in den DB V Mitteilungen bekannt gegebenen Halbjahresprogramme der GIB zeigten in den letzten Jahren mit ihren wissenschaftlichen Vorträgen, Multimediavorstellungen und Ausstellungsbesuchen viele Delikatessen für Burgenkundler und Denkmalinteressierte, was von DBV Mitgliedern viel zu wenig wahrgenommen wurde. Über 20 Ordner mit bis nach Amerika reichendem Schriftverkehr zeigen in den Geschäftsräumen der GIB, wieviel Kraft und Einsatz und Kraft insbesondere Herr Siepen in den letzten 4  1/2 Jahren abverlangt wurde.
Helfen Sie als DB V-Mitglieder mit beim weiteren Erfolg der GIB und deren Ausstellung Französische Donjons! Wer kennt Burgenbesitzer und sonstige Interessenten in Deutschland, der Schweiz, Belgien, Luxemburg, in den
Niederlanden, in Großbritannien und zuletzt auch in den USA und Kanada, die sich für diese einzigartige Burgenausstellung interessieren? Wer kennt einen Sponsor oder einen Mäzen, der diese Ausstellung finanziell unterstützt? Jede Anregung wird vom Vorstand der GIB gerne entgegengenommen.

Informationen: Gesellschaft für Internationale Burgenkunde Aachen e. V., 1. Vorsitzender Architekt Dipl.-Ing. Bernhard Siepen, Grindelweg 4, 52076 Aachen, Tel. 02 41-60 45 00, Fax 60 40 70, E-Mail: gibaachen@ web.de und gib-aachen@burgenkunde.de, Homepage: www.burgenkunde.de und www.castlescience.org