Grenz-Echo vom 25. Januar 2002

Blick in das Innenleben einer mächtigen Burg
Ausstellung im ATC beantwortet viele Fragen


Eupen
Zu sehen ist der maßstabsgetreue Nachbau des mächtigen Donjons von Coucy-le-Château-Auffrique bereits seit Anfang des Monats im Eingangsbereich des ATC. Am Dienstag nun wurde die Burgen-Schau der GIB von Minister-Präsident Karl-Heinz Lambertz offiziell eröffnet.
»Wie von kaum einer anderen Epoche geht für viele Menschen vom Mittelalter eine faszinierende Wirkung aus. Sagen-umwobene Heldengestalten werden genauso mit dem Mittelalter in Verbindung gebracht, wie tapfere Ritter oder aber bezaubernde Burgfräuleins. Über das wahre Leben in den Burgen wissen die meisten Menschen aber nur recht wenig«, stellte der Minister-Präsident in seiner Eröffnungsrede fest.

Antworten
auf vi
ele Fragen

Wie sah der Alltag der dort lebenden Menschen aus? Wie verteidigten sich die Bewohner der Burg gegen Angreifer? Auf diese und viele andere Fragen gibt die Ausstellung 'Französische Donjons' der Gesellschaft für Internationale Burgen-kunde (GIB) hier im August-Tonnar-Center eine Antwort«, so Karl-Heinz Lambertz:
In der Tat findet der Besucher in der Wanderausstellung der Gesellschaft für Internationale Burgenkunde (GIB), die bis zum 23. März in der Eingangshalle des Eupener August-Tonnar-Centers zu sehen ist, auf übersichtlichen Schautafeln eine umfassende Dokumentation über die wehrhaften Wohntürme französischer Burgen im Allgemeinen und über 36 ausgewählte Donjons im Besonderen.

Den Nachbau des Donjons von Coucy im Maßstab 1:25 bezeichnete der Minister-Präsident, der mit den Eupener Geschichts- und Museumsverein (EGMV) die Schirm-herrschaft über die Ausstellung im ATC übernommen hat, zu recht als das Sahnehäubchen der Burgenschau. Ins-besondere bei Kindern und Jugendlichen dürfe diese plastische Form der Wissens-vermittlung Neugierde und Interesse wecken, meinte Karl-Heinz Lambertz.

Wohntürme in Ostbelgien

Bei der Vernissage erinnert der Präsident des EGMV daran, dass auch in Ostbelgien wehrhafte mittelalterliche Wohntürme stehen, die freilich mit den französischen Anlagen nicht mithalten können. Während z.B. Schloss Weis in Kettenis, das Herrenhaus in Eynatten oder Haus Raeren ausgezeichnet erhalten seien, würden die "Donjons« Raaf in Eynatten und Alensberg in Moresnet leider immer mehr zerfallen, so Heinz Godesar.

Der 1. Vorsitzende der in Aachen ansässigen GIB, Dipl.-Ing. Bernhard Siepen, dankte allen, die am Zustandekommen der Ausstellung im ATC beteiligt waren. Dass die didaktische Schau mit dem Titel "Französische Donjons, Wohntürme des Adels« jetzt in Eupen präsentiert werde, sei eher einem Zufall zu verdanken. Weil eine in Hamburg vorgesehene Ausstellung nicht zustande gekommen war, habe die GIB einen Ort gesucht, um ihr "Donjon-Modell« und die dazu gehörenden Schautafeln kurzfristig unterzubringen. Das ATC habe sich dann schließlich bereit gefunden, die Ausstellung aufzunehmen.

 

Rahmenprogramm

Burgen und Schlösser in Ostbelgien

Eupen

Der Eupener Geschichts- und Museumsverein und die VoE Eupener Stadtmuseum richten ab dem 2. Februar eine Ausstellung im Haus »De Rus«, Gospert 52 aus, die die Ausstellung »Französische Donjons« im ATC in hervorragender Weise ergänzt. Gezeigt werden im Stadtmuseum Zeichnungen des aus Eupen stammenden Künstlers

Rudi Breuer mit Ansichten von Burgen und Schlössern in Ostbelgien. Rudi Breuer, der 1995 verstorben ist, hatte diese Federzeichnungen dem EGMV nach einer ersten Ausstellung 1983 geschenkt. Ergänzt wird diese Schau durch Werke von Emil, Ferdinand und Gustav Breuer.
Am Dienstag, dem 26. Februar, lädt der EGMV um 19.30 Uhr zu einem Lichtbildervortrag ins Kolpinghaus ein. Dipl.-Ing. Bernhard Siepen spricht dann zum Thema "Die Formenvielfalt französischer Donjons«.

Völlig neue Perspektiven

Hierzu sei angemerkt, dass die GIB ihr wertvolles 36 Quadratmeter großes Donjon-Modell, ergänzt durch die Darstellung eines französischen Ritter-turniers, in Eupen nahezu kostenlos zur Schau stellt. An den bisherigen Ausstellungsorten, die von Aachen über Loches und Straßburg, der Festung Coburg, den Burgen Mildenstein und Kriebstein sowie der National Geographic Society in Washington DC reichen haben über 400 000 Burgen-freunde die Ausstellung gesehen und dafür bezahlt. Im ATC wird den Besuchern der Blick ins Mittelalter kostenlos geboten. Gerhard A: Wagner, Geschäftsführer der Deutschen Burgen-vereinigung war eigens zur Vernissage nach Eupen gekommen. Der Aus-stellungsort sei sicherlich ungewöhnlich meinte er. Doch biete die Präsentation in einem Einkaufszentrum auch völlig neue Perspektiven. Hier werde sicherlich ein Publikum angesprochen, dass man mit einer Ausstellung in einem Museum kaum erreichen könne.
Recht hat er wohl mit dieser Ansicht. Im ATC kann man immer wieder Leute beobachten, die überrascht vor dem imposanten Modell des Donjons von Coucy stehen bleiben, ihren Ein-kaufsbummel unterbrechen und sich die Ausstellung der GIB in aller Gründlichkeit anschauen.

Einen Einblick in die Belagerung der Burg von Coucy durch englische Truppen im Jahr 1339 bietet das Modell, das in der Eingangshalle des ATC in Eupen zu sehen ist.