Grenz-Echo vom 14. November 2001

Beitrag der Burgenkundler zur „Ex Oriente“-Ausstellung
Der Bazar von Aleppo im Modell


Aachen
Vor einem Jahr wählte die in Aachen ansässige Gesellschaft für Internationale Burgenkunde das Thema „Burgen aus der Zeit der Kreuzzüge“ als neues Forschungsgebiet. In diesem Kontext haben die Burgenkundler den Nachbau des Bazars von Aleppo in Angriff genommen.

Mit dem Nachbau des Bazars der nordsyrischen Handelsstadt Aleppo (Halab) möchten die Burgenfachleute um den Architekten Bernhard Siepen einen Beitrag zu der Ausstellung „Ex Oriente - Isaak und der weiße Elefant“ leisten, die im Jahr 2003 von der Stadt Aachen ausgerichtet werden soll. Diese Ausstellung soll die drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Chris-tentum und Islam gleichermaßen berücksichtigen und deren Gemeinsamkeiten, aber auch ihre Unterschiede, einem breiten Publikum näher bringen.

Schulen eingebunden

In dieses Konzept gliedert sich der von der Gesellschaft für Internationale Burgenkunde (GIB) in Angriff genommenen Nachbau eines Teils des Bazars von Aleppo vorzüglich ein. Das bunte Treiben in dem Bazar, das anhand von mehreren Hundert selbst    modellierten        Figuren

dargestellt wird, dürfte in der Ausstellung einen lebendigen Eindruck von Handel und Wandel in einer orientalischen Stadt vermitteln.Für den original-getreuen Nachbau des Handelszentrums von Aleppo im Maßstab 1:25 hat die GIB zwei Praktikantinnen eingestellt, die aktiven Mitglieder legen selbstverständlich auch mit Hand an das Projekt, das einige Hundert Arbeitsstunden erfordert. Für das Bemalen der Figuren, die die Szenerie beleben sollen, hat Bernhard Siepen sich die Mitarbeit verschiedener Schulen gesichert.

Aktueller Bezug

Bereits bei der Erstellung der Szenerien für das Modell des Donjons der Burg von Coucy bei Laon, das später durch die Darstellung eines Ritterturniers ergänzt wurde, hatte die GIB Schulklassen zur Mitarbeit animiert. „Die Schüler erleben den Unterricht viel intensiver, wenn sie einen konkreten Beitrag zu solch einem Projekt leisten können“, weiß Bernhard Siepen aus Erfahrung. Er bedauert freilich, dass sich noch keine Schule aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft zur Mitarbeit hat entschließen wollen. Der Nachbau eines Teils des riesigen Bazars von Aleppo, der seit dem 14. Jahrhundert nahezu unverändert geblieben  ist,

gliedert sich in das neue Ausstellungsprojekt „Burgen aus der Zeit der Kreuzzüge“ ein, das die GIB seit langem plant und das durch die politische Entwicklung der letzten Wochen einen ungeahnten aktuellen Bezug erhalten hat.

Ausgewogen

„Das Thema scheint nach der Katastrophe vom 11. September zu befremden, seitdem die Worte 'Kreuzzug' von der einen und 'Heiliger Krieg' von der anderen Seite zur Rechtfertigung des eigenen Vorgehens ausgesprochen worden sind. Wir meinen aber, dass wir heute weit mehr als zu Beginn unserer Planungen dazu aufgerufen sind, die beiden in der Zeit der Kreuzzüge einander gegenüberstehenden und heute wieder von Agitatoren zum Kampf aufgerufenen Kulturkreise sachlich kompetent und ausgewogen vorzustellen,“ so Bernhard Siepen.

Die GIB sei überzeugt, so der Vorsitzende, dass gerade das Bazar-Projekt der richtige Weg sei zum Kennenlernen, zur Verständigung und zum Frieden. Deshalb rechneten die Burgenkundler damit, dass sie Mitarbeiter unter den Friedenswilligen aller Kulturkreise finden werden. (hego)

Ein Teil des Bazars von Aleppo, der alten Handelsstadt Halab in Syrien, wird zur Zeit von den Aachener Burgenkundlern im Modell nachgebaut.