Figuren-Magazin, Zeitschrift für Sammler von Ausstell-Figuren 4/ 2003

Wolkenkratzer des Mittelalters: "Französische Donjons"


 Eine Ausstellung auf der Plassenburg in Kulmbach vom 14.09.2003 bis 29.02.2004

Absolute Modellbau-Superlative im Maßstab 1:25 realisiert die Gesellschaft für Internationale Burgenkunde (GIB) in Aachen unter der Leitung des Vorsitzenden und Architekten Dipl.-Ing. Bernhard Siepen. Ziele und Aktivitäten der GIB gelten der Beschäftigung mit in- und ausländischer Burgenkultur von der Karolingerzeit bis zum ausgehenden Mittelalter, Fertigung von Burgenmodellen nach Aufmassen am Objekt im Maßstab 1:25. Dazu gehört auch das Modellieren und Bemalen von Figuren im Maßstab 1:25 zur Veranschaulichung eines authentischen Burgenumfeldes.

Warum gerade die Beschäftigung mit “Französischen Donjons”? Weil jahrhundertelange Konflikte zwischen Frankreich und England die Entwicklung des Burgenbaus vorantrieben. Das zeigt sich besonders am Donjon, der letzten Zuflucht an dominierender Stelle der Burg mit grundrisslich außergewöhnlichen Lösungen. Er war zugleich Wehr- und Wohnbau. Ob der französische König, ob Herzog, Fürst, Graf oder der einfache Landadelige, fast alle bauten in ihren Burgen Wohntürme. In Deutschland kannte man eher den Bergfried, einen bloßen Wachtturm, seltener den Wohnturm, im französischen “Donjon”, im englischen “Keep” genannt. In Frankreich gab es annähernd 1100 Donjons.

Im Zentrum der Ausstellung “FRANZÖSISCHE DONJONS” steht ein authentisches Modell der 1917 zerstörten Burg von COUCY mit ihrem grundrisslich einzigartigen Donjon. Mit 54 m Höhe, 31 m Durchmesser und bis zu 7,5 m starken Wänden war er der größte Frankreichs und des Abendlandes, wahrlich ein Wolkenkratzer des Mittelalters. Das Modell der Burganlage misst im Maßstab 1:25  im Grundriss imposante 6 x 6 m und ist bis zu 2,40 m hoch! Ca. 2.500 handbemalte, größtenteils abgeänderte Elastolin-Figuren der Firma Preiser wurden verwendet, dazu eine Reihe Lineol/Duscha-Figuren und einige Figuren von Modellbau- Kreza und Dieter Lichtenfels. Ein Tribock stammt von Michael Cremerius.



Etliche andere Belagerungsgeräte und Ausstattungsteile sind unter der Leitung von Bernhard Siepen zusammen mit seinen Mitarbeitern realisiert worden. Gezeigt werden Szenen mittelalterlichen Lebens, die zu einer Burg dieses Ausmaßes gehörenden Einrichtungen und Menschen in ihren Funktionen, eine höfische Gesellschaft, Handwerker bei ihrer Arbeit und die Belagerung des Jahres 1339 mit einem Ausfall der Burgbesatzung.
Seit kurzem gehört zu dieser einzigartigen Schau auch das eindrucksvolle Modell eines französischen Ritterturniers mit 600 Figuren, ebenfalls alles im Maßstab 1:25.

Die seit 1998 an wechselnden Orten in Deutschland, Frankreich, Belgien und USA gezeigte Ausstellung begeisterte bisher schon 525.000 Besucher, darunter mehr als 1.100 Schulklassen aller Schulformen.

Gerade in einer wegen der Übermacht des Fernsehens und der Computerspiele pädagogisch schwierigen Zeit die Jugend erfolgreich anzusprechen, ist ein wesentliches Anliegen des GIB-Engagements. In vielen Führungen für Schulklassen hat der Vorstand der GIB immer wieder festgestellt, wie wichtig es ist, die Schüler rechtzeitig mit der Geschichte vertraut zu machen. So wirkten im Schuljahr 1999/2000 Schüler einer Gesamtschule in Aachen an dem Figurenmodell “Französisches Ritterturnier” mit, wobei auf die authentische Farbgebung der Zelte und Rüstungen gemäß bekannter Herzogs- und Adelswappen geachtet wurde.  Dies bedeutete für die Schüler, Geschichte praktisch zu erleben. Mittlerweile wurden auch 16 Praktikanten (innen) von Herrn Siepen einjährig ausgebildet. Ihr Engagement trug wesentlich zum Erfolg mit den Schülern und Schülerinnen bei.

Ein sehr informativer viersprachiger Ausstellungskatalog (deutsch, französisch, englisch, niederländisch, 256 Seiten, 2. Ausgabe, DIN A 4 quer, € 40,-- zuzügl. Versand) kann neben Postkarten und Modellfotos (20x30 cm) in den jeweiligen Museen der laufenden Ausstel-lung und in der Aachener Geschäftsstelle der GIB erworben wer-den. Der Katalog ist auch beim Verlag Figuren Magazin zu beziehen.



Das nächste Ausstellungsthema der GIB lautet: “Burgen und Bazare – Mittelalterliche Lebensformen des Vorderen Orients”. Das moslemische wie christliche Burgen ausgewogen behandelnde Thema soll wie die Ausstellung Französische Donjons der Völkerverständigung dienen. Neben ca. 50 mehrsprachigen Schautafeln werden zwei authentische Modelle konzipiert: Die Belagerung der Johanniterburg Marqab 1285 durch den türkischen Sultan Kalaun und ein Ausschnitt des Bazars von Aleppo, des weltgrößten und bis heute intakten Bazars. Beide Modelle im Maßstab 1:25 werden wieder vorwiegend mit Elastolin-Figuren der Fa. Preiser belebt. Die Premiere wird im Juni/Juli 2005 im Archäologischen Museum Frankfurt/Main stattfinden.

Verhandlungen für weitere Ausstellungsorte laufen bereits mit Städten und Museen in Deutschland, Frankreich und USA.

Wegen der außerordentlich aufwendigen Ausstattungen der Ausstellungsobjekte sind Sachspenden in Form von Figuren, Belagerungsgeräten usw. im Maßstab 1:25 (auch zweite Wahl und beschädigte Modelle) sehr gern gesehen.

Wer Kontakt aufnehmen möchte, wende sich bitte an die GIB Gesellschaft für Internationale Burgenkunde Aachen e.V., Grindelweg 4, 52076 Aachen, Tel. 0241 / 604500.

Die Internetadresse der GIB bietet viele zusätzliche Informationen und Bilder zu den hier angesprochenen Themen: www.burgenkunde.de

 Ausstellung: Auf der Plassenburg in 95326 Kulmbach;Öffnungszeiten: Täglich von 10.00 bis 16.00 Uhr.             ¨