Döbelner Allgemeine vom 26. Mai 1999

Burg auf der Burg - faszinierende Ausstellung
Aachener Gesellschaft präsentiert Donjon-Modell auf Mildenstein


Leisnig (Eig. Bericht/ME). Beeindruckend prangt die Burg mitten auf dem Kornhausboden. Eine gläserne Wand schützt das Prachtstück vor unerlaubten Berührungen. Wer herantritt und ein Auge hinter die Türme und Mauern wirft, sieht Leben, Geschichten. Noch bis zum 15. August wird in Leisnig auf Burg Mildenstein die Ausstellung "Französische Donjons, wehrhafte Wohntürme des Adels aus dem 11. bis 15. Jahrhundert" zu sehen sein.

Dabei ist das monumentale Modell des mittelalterlichen Wohn- und Wehrturmes der Burg Coucy in Nordfrankreich das Prachtstück der ansonsten dreisprachigen Präsentation, die 30 von 130 untersuchten Donjons dokumentiert. Vorbereitet wurde die Ausstellung in den Jahren 1996 bis 1998 von der Gesellschaft für Internationale  Burgenkunde  aus  Aachen.

Das  Ergebnis kann sich sehen lassen: Nicht nur fachlich ausgefeilt, sondern auch interessant aufbereitet, ist die Ausstellung für jeden Burgenliebhaber ein Schmeckerchen.
Rund 2500 handbemalte Figuren beleben das Modell im Maßstab von 1:25. Dabei kann der Betrachter nicht nur nachvollziehen, wie die Burg 1339 belagert wurde. Auch das höfische Leben und Handwerk hinter den Mauern kann beobachtet werden. Dabei gibt es bei jedem erneuten Hinschauen wieder andere Szenen zu entdecken, ist das gesamte Feld mit einem Blick gar nicht zu erfassen.
Auch für die auf Tafeln dokumentierten Donjons sollte sich der interessierte Besucher viel Zeit mitbringen. Ausführlich wird über Größe und Aufbau, Zeit der Erbauung und den historischen Kontext reflektiert.
Zur Eröffnung der Ausstellung am
Freitag

nachmittag     war     es     Bernhard Siepen, 2. Vorsitzender des Vereins und Gründungsinitiator, der in die Ausstellung einführte.  Mit  anderthalb  Stunden  Fach-wissen für einen großen Teil der Gäste allerdings zu umfangreich, zumal keine Sitzgelegenheiten vorhanden waren.
Seit etwa zwölf Jahren schon beschäftigt sich der Architekt und Burgenkundler mit Französischen Donjons, 1996 regte er an, die Gesellschaft zu gründen. Diese hat sich das Ziel gesetzt, sich mit internationaler Burgenkunde, beginnend ab Karl dem Großen bis zum auslaufenden Mittelalter zu befassen und insbesondere Burgenausstellungen für jedermann unter verschiedenen Themen auszuarbeiten und im In- und Ausland vorzuführen. Dafür sucht die Gesellschaft nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch im Ausland Mitglieder. Bis heute gehören der GIB schon Franzosen, Engländer, Belgier, Niederländer, Luxemburger, Ukrainer, Russen und Georgier an.

Geschützt durch eine Glaswand wird das Modell der nordfranzösischen Burg Coucy.
 Zu sehen ist das Prachtstück derzeit auf dem Kornhausboden der Burg Mildenstein.
                                                                                            DAZ-Foto: Jürgen Kulschewski