Aachener Zeitung vom 01. Februar 2003

Welt des Orients als Mikrokosmos
Burgenbauer zeigen Aleppos Basar


Aachen. Seit zwei Jahren arbeitet die Gesellschaft für inter-nationale Burgenkunde Aachen (GIB) an der Präsentation „Burg und Stadt im Vorderen Orient“ - eine lange Zeit, möchte man meinen, wo doch jetzt nicht mehr als ein vorläufiges Modell eines der beiden künftigen Ausstellungsstücke vom Vor-sitzenden des Vereins, Bernhard Siepen, und Schriftführer Dr. Hans Altmann vorgestellt wurde. Doch weit gefehlt: Um das Modell eines Modells des Basars von Aleppo zur mameluckischen Zeit herzustellen, ist viel Zeit nötig. Zunächst einmal muss man wissen, dass Aleppo in Syrien liegt. Das Aufmaß für das Modell des Basars wurde vor Ort gemacht, wobei die Behörden zu­nächst nicht, später aber dann doch sehr behilflich waren, wie Siepen berichtet. Von vornherein war sich der Vorsitzende darüber im Klaren, dass neben Architektur und Technik das gesellschaftliche      Leben      der

damaligen Menschen, ob Christen oder Muslime, und damit die gesamte Levante ins Blickfeld kom­men sollte. Drei mal drei Meter soll das 1:25-Modell einmal messen und Einblicke in viele Lebensbereiche der islamischen Welt geben sowie das bunte Handelsleben des Orients anschaulich machen. 400 handgefertigte Figuren, die sich in den engen Gassen, der Karawanserei und einem für den Orient typischen Bad tummeln, bevölkern den Miniatur-Basar. Die ersten Figuren sind bereits fertig. Nach historischen Vorlagen bastelten, bemalten und bekleideten Praktikantinnen der Aachener Fachoberschule für Gestaltung und Technik sowie Schüler und freiwilliger Helfer die kleinen Puppen aus Elastolin.
Ein zweites Modell zum Thema ist ebenfalls bereits in der Planung. Die Johanniterburg Marqab soll in ihrem Belagerungszustand aus dem Jahre  1285 gezeigt  werden.  Das

Modell soll sogar sieben mal fünf Meter messen und, genau wie der Basar, unter der Leitung von Schreinermeister Heinrich Barth größtenteils aus Holz gefertigt werden. Allein die Materialkosten für die Modelle werden um die 5000 Euro liegen. Bernhard Siepen und seine Mitstreiter hoffen, das Basar-Modell pünktlich zur „Ex oriente“ - Ausstellung, die am Katschhof ab dem 30. Juni stattfindet, fertig zu haben. Laut Siepen würde der Basar bestens in die Ausstellung passen, da Aleppo auf der Reiseroute des Gesandten Kaiser Karls von Aachen nach Bagdad lag. Sponsoren werden noch dringend gesucht. Wer Interesse an den GIB-Projekten hat, kann am 8. März um 20 Uhr an einem Vortrag von Dr. Dankwart Leistikow „Der Davidsturm der Zitadelle von Jerusalem“ im Hotel Buschhausen, Adenauerallee 215, teilnehmen. (tpo)

Spannende Einblicke in die mittelalterliche Welt des Orients: Die Gesellschaft für Internationale Burgenkunde hat den Basar von Aleppo detailgetreu nachgebaut.                                             Foto: Kurt Bauer